Das vorab zur Kenntnis:

In dem obigen Artikel wird berichtet, daß Dörfer keine Wappen hatten, da Dörfer keine Rechtspersonen waren und Siegel erst im 16. Jahrhundert aufkamen.

Wer tieferes Interesse an der Geschichte der Dorfsiegel hat, dem empfehle ich, den oben angerissenen Artikel vollständig zu lesen - für alle anderen in Kürze:

 

 Die endgültige Wende kam erst mit der neuen Gemeinde- und Kreisordnung für Thüringen vom 9. Juli 1926: „Die Gemeinden dürfen Wappen und Dienstsiegel führen; … Die Einführung … erfolgt durch Ortsgesetz“.

Die meisten Gemeinden hatten bis dahin keine eigenen Siegelbilder, allenfalls Schriftsiegel, ggf. mit bildhaften Verweisen auf die Obrigkeit (und Wappen erst recht nicht).

Ausnahmen bildeten hier z.B. Stotternheim, das im Siegel eine Burgruine führte, Alperstedt, das mit zwei schnäbelnden Tauben siegelte (was sie aber in den späten 1940er Jahren geändert haben ) oder Töttelstedt, das ein von allegorischen Symbolen überladenes Siegel hatte und dessen jetzige „Wappenumsetzung“ jeden Heraldiker erschauern läßt.

Soweit bekannt, hatte Ermstedt auch nur ein Schriftsiegel, das aber Ende der 1940er Jahre geändert werden sollte - es sollte ein Bildsiegel her - der Schriftverkehr dazu ist aber nur teilweise im Erfurter Stadtarchiv erhalten. Alles weitere, vor allem die Antwort-Korrespondenz des Landratsamtes Weißensee sollte im Staatsarchiv Gotha sein - ist sie aber nicht - und keiner weiß, wieso!

So bleiben vom Ermstedter Bildsiegel nur einige wenige Abdrucke - ohnehin wurde es nur ein paar Jahre benutzt. Die Länder wurden aufgelöst und Ermstedt fiel an den Landkreis Erfurt …..

Keiner weiß, woher die Idee mit der Blume und dem Vogel kam oder was diese zu bedeuten hatten - eine mögliche Deutung finden wir in dem Artikel des Lothar Hess in der Thüringer Allgemeinen vom 3. September 1991:

 

 

 

 

 

 

Siegel vom 1.September 1949 unter einer Entschließung der öffentlichen Gemeindevertretersitzung zur „Nationalen Front“ zur Verhinderung der Zerreißung Deutschlands

Siegel vom 27. September 1952 unter einem Schreiben der Gemeinde an den Rat des Kreises über Jugendfragen

Die Deutung des Siegels im o.g. Artikel ist aber allenfalls vage und keineswegs fundiert, darüberhinaus enthält der Artikel auch geschichtliche Fehler (s. Abschnitt Geschichte). Bei der Durchsicht entsprechender Unterlagen im Staatsarchiv Gotha stößt man auf Siegel anderer Gemeinden, die ausführlich vom Bild her begründet sind. Es finden sich auch diesbezügliche Bearbeitungsvermerke durch kompetente Sphragistiker und Heraldiker - manchmal mußte ein Siegel mehrfach umgearbeitet werden, ehe es vom Landrat genehmigt wurde. Kopien solcher Vorgänge kann man sich gegen Entgelt fertigen lassen - allerdings mit dem Aufdruck „Weitergabe nicht gestattet“, weshalb ich es auch vermieden habe, einen solchen Siegelentstehungsprozeß hier beispielhaft zu veröffentlichen. Leider finden sich in diesem Archiv wie oben schon erwähnt ausgerechnet die Akten zu Ermstedt nicht, obwohl auch hier ein mehrphasiger Entstehungsprozeß zu vermuten ist - in den Unterlagen des Erfurter Stadtarchivs finden sich drei Niederschriften (vom 18.03., 08.09. und 20.11.1949) von Gemeindevertretersitzungen, in denen unter anderem vom neuen Gemeindesiegel und der dazu notwendigen Gemeindesatzungsänderungen gesprochen wird.

Derzeit nicht mehr genau zu erfahren ist, welches Siegel (oder war es nur ein Schriftstempel) Ermstedt nach der Länderauflösung in der DDR im Kreis Erfurt und in den wenigen Jahren der Selbständigkeit nach der Wende in der BRD führte. Nach Auskunft eines ehemaligen Ortsbürgermeisters hatte Ermstedt sowohl einen Schriftstempel als auch ein Dienstsiegel - Kopien oder Abdrücke davon gäbe es aber nicht mehr…..?

Beispiele für frühere Ortssiegel und Amtssiegelplaketten:

oben das alte

Siegel von Stotternheim

Anläßlich der 1200-Jahrfeier 1986 blühte das Ermstedter Bildsiegel diesmal aber als wappenähnliches Motiv in verschiedenen Modifikationen nochmals auf (s. dazu auch nebenstehende Abbildungen und das Kapitel Wappen).

Seit der Gebietsreform von 1994 ist Ermstedt nicht mehr siegelberechtigt.

 

Der Ortsteilrat oder der Ortsteilbürgermeister dürfen also offizielle/amtliche Dokumente nicht mit einem Ermstedter Siegel versehen.

 

Anders ist es bei Privatpersonen und Körperschaften privaten Rechts (Vereine, Komitees, Initiativen u.v.a.m.), die dürfen natürlich siegeln. So haben sich die Mitglieder des Festkomitees Gedanken gemacht und von mir Siegel zur 1225-Jahrfeier entwerfen lassen:

Ein Siegel mit deutscher Umschrift und zentralem Ermstedter Wappenschild, die Figuren hier als Umrißzeichnung dargestellt

Ein Siegel mit deutscher Umschrift und den Wappenfiguren ohne heraldischen Schild, die Schraffur kennzeichnet die Farben (längsschraffiert=rot, weiß=silber)

Ein Phantasie-Dorfsiegel mit lateinischer Umschrift und zentralem Wappenschild, die Umschrift lautet übersetzt:

„Siegel des Dorfes Ermstedt im Jahre  1225  nach der ersten Erwähnung“

Das erste Siegel soll für allerlei Korrespondenz der Festkomiteemitglieder sowohl untereinander als auch mit Dritten in Bezug zur Jubelfeier Verwendung finden, das zweite ist nur von gestalterischem / theoretischem Interesse für den Siegelschöpfer, das dritte führt auf persönlichen Wunsch nur der Vorsitzende des Komitees (unser Ortsteilbürgermeister) im Zusammenhang mit der 1225-Jahrfeier, z.B. in Einladungen, Spendenaufrufen u.ä..

 

Die beiden untenstehenden Siegelstempel sollen als Handstempel bei den Feierlichkeiten als eine Art Eintrittskartennachweis Verwendung finden.