Der Chroniktext - Teil1:

Aus der Germanischen Zeit Ermstedts

 

Das Jahr 786 ist das früheste, in dem Ermstedt unter dem Namen Ermenstadt im Westgau gelegen, urkundlich genannt wird. Seine Gründung kann man aber um mindestens 300 bis 500 Jahre weiter zurück datieren. Bestimmend dafür ist der Ortsname. Nach Ansicht maßgebender Forscher gehören die Dorfnamen auf „-stedt“ im ehemals fränkischen Gebiet der ersten der drei Siedlungsperioden an, schließend mit dem Jahre 500. Der erste Teil des Ortsnamens „Ermen“ ist gleichfalls uralt. Er ist ein altgermanischer Fürstennamen, der in Abwandlungen häufig vorkommt und sich bis heute erhalten hat. (Ermino – Arminius). Er lässt sich zurückführen auf den Sachsengott Irmin, der wieder mit Donar identisch ist. (Irminsäule, Irmgard, Irmintrud)

Auch die Abwandlung mit dem vorgesetzten H (Hermanrich, Hermanfried) sind auf das Stammwort Irmin zurückzuführen. Auch unser Ermstedt führt zu Zeiten mit H anlautenden Namen wie Herminstedt oder Hermstedt. Auch der alte Name für die Thüringer „Hermunduringer“ wird auf Ermen-Irmin zurückgeführt. Es liegt nun nahe, Ermstedt als eine Gründung der Hermonduren anzusprechen. Ermstedt ist also eine alte germanische Siedlung. Über die Schicksale unseres Ortes in der frühgermanischen Zeit ist uns wenig bekannt. Vielleicht gelingt es der Wissenschaft des Spatens, einmal hier Licht in das Dunkel zu bringen.

 

Die Hersfeldische Zeit

 

Das erste Mal ist Ermstedt 786 urkundlich genannt. Karl der Frankenkönig (der Große) hatte als vorgeschobenen Posten des christlichen Frankenreiches gegen die heidnischen Sachsen das Kloster Hersfeld gegründet. (Erster Erbauer Sturm 736, zweiter Erbauer Lolus 770, Erweiterungsbau unter Bun 831 bis 850, der heutige zerstörte rom. Bau 1038 bis 1144. Siehe Bild.) Dieses Kloster hatte bis ins 16. Jahrhundert in Ermstedt ausgedehnte lehensverbundene Besitzungen, die ihm von Karl dem Franken als Fundation geschenkt wurden. Auch die Nachbarorte Alach, Bindersleben, Gottstedt standen mit dem Kloster in Verbindung, waren ihm aber nur zinspflichtig. Diese Zinsgerechtigkeit ging aber 1143 an das Peterskloster in Erfurt über. So wird Ermstedt in einer Zusammenstellung aller Lehensgüter, die der Bischof Lulus von Hersfeld 786 herausgab, dem Breviarium Lulli genannt. Nach dieser ältesten Urkunde soll Hersfeld drei Hufen Land und eine Manse (Gutshof mit dem dazugehörigen Land) in Ermstedt besessen haben. Es muss aber auch dem Peterskloster in Erfurt gelungen sein, in Ermstedt Liegenschaften zu erwerben, denn eine Urkunde aus dem Jahre 1227 (Erfurter Archiv) besagt, dass ein Streit zwischen slavischen Bauern und dem Peterskloster entstand, der dahin verglichen wurde, dass nicht nur Slaven, wenn sie Land erwarben, sondern auch germanische Bauern eine Abgabe zu bezahlen hatten. Wann in Ermstedt Slaven eingewandert sind, ist bis jetzt noch nicht bekannt.

Neben Hersfeld und Erfurt hatte auch das Kloster in Paulinzella in Ermstedt Besitzungen, die es 1289 an das Marienstift zu Erfurt auf Drängen seiner Gläubiger für 41 Mark Silber verkaufte. Der Besitz bestand aus 3 ½ Hufen und 7 Acker Land und 4 Höfen. In der Urkunde darüber erfahren wir auch die Namen der zinspflichtigen Inhaber dieser Güter: Hermann von Schwabhausen, Hartmud u. Burchard von Arnstadt, Albert Hartung, Juttah von Steinburn, Conrad von Arnstadt, Conrad gen. Ritter, Conrad von Breitenbach und Frau Hedewigis.

Im Jahre 1332 kam es zu einer regelrechten Fehde zwischen dem Grafen von Gleichen und dem Abte von Hersfeld. Das Schultheißenamt von Ohrdruf, Wechmar, Ermstedt u. Hundsbrunn befand sich als hersfeldisches Lehen in der Hand von Beringer von Waldingen. Dieser wie sein Vater fielen wegen schlechter Amtsführung beim Stifte in Ungnade. Aus Ärger verkauften sie ihr Amt ohne dem Abt von Hersfeld zu fragen, an den Grafen von Gleichen. Daraus entwickelte sich eine Fehde zwischen Hersfeld u. dem Grafen, die erst nach fünf Jahren zu einer Versöhnung führte. In einer Urkunde 1337 gibt der Graf ganz wehmütig nach. Er erklärt, dass er dem Stift hinfort keinen Schaden mehr zufügen und das Stift achten und ehren wolle. Auf diese Erklärung hin belehnte ihn der Abt mit dem strittigen Schultheißenämtern. Am 01. Juni 1335 beurkundet der Abt Ludwig von Hersfeld, dass die wackeren Männer Heinrich u. Theoderich von Ülleben auf die Hälfte einer Hufe Land zu Ermstedt, die sie vom Stifte zu Hersfeld zu Lehen hatten, verzichtet haben. Der Abt hat sie nun dem Rudolf von Nordhausen und dessen Vettern, den Brüdern Eckehard und Götz, Bürger zu Erfurt, verkauft und als Eigentum übertragen.

Im Jahre 1338 schenkte eine ehemalige Begina Philippe von Aachen dem Marienstifte zu Erfurt zur Gründung einer Vikarie u. a. auch eine ½ Hufe Land in Erminstedte, wobei wir wieder Namen von Einwohnern erfahren: Heinrich v. Arnstadt, Theoderich Schultheiß, Jutta Herwig, Gattin des Theoderich von Pferdingsleben, Heinrich von Ülleben, Elisabeth Kemmerer, Theoderich u. Catharina Locmann. Noch im 18. Jahrhundert besaß der Dom in Erfurt vier Acker Wiesen und drei Acker Weinberge in Ermstedt. Dem Peterskloster aber schenkte 1316 Graf Hermann von Gleichen eine ½ Hufe Land in Ermilstedte zum Heil seiner Seele. Schließlich hatten auch die Erfurter Augustiner einigen Besitz im Dorfe, so 1330 ein mittleres Haus auf dem Kirchhofe und seit 1463 von Martin Kerst und seiner Frau Cecilie einen Zins von ihrem Sedilhofe und Zubehorung, vorher von Ytel Gernod besessen.

 

Im 13. bis 15. Jahrhundert ändern sich die geistl. Besitzverhältnisse: das hängt z. T. mit den Bestrebungen der Klöster zusammen, die entfernten Besitztümer abzustoßen und nähere zu erwerben. Im Jahre 1305 erwarb der Erfurter Rat vom allzeit geltbedürftigen Landgrafen von Thüringen Albert dem Unartigen einige landgräfliche Teile von Ermstedt. 1366 setzte das Stift Hersfeld alles daran, Amt und Schloß Gebesee, die ganz in den Besitz von Erfurt geraten waren, zurückzugewinnen. Das gelingt ihm auch dadurch, daß es seine Güter, Zinsen und Gefälle in Ermstedt, Pfertingsleben, Zimmern, Allendorf, Getor, Ottstedt, Nauendorf und Gebelichesborn im Werte von 735 Mark Silber am 31.10.1366 an Erfurt verpfändet. Diese Veräußerung war aber nur ein  augenblicklicher Notbehelf, schon am 06. Nov. sind vom Gesamtwert der verpfändeten Orte 160 Mark Silber in Barschuld umgewandelt, die der Abt binnen vier Jahren abzuzahlen verspricht. Der Rest des Pfandobjektes wird am 13. Nov. eingelöst gegen eine Gülte auf alle Ämter, Rechte u. Zinsen des Stiftes zu Gebesee und im übrigen Thüringen, die der Hersfeldische Amtmann zu Gebesee auszuzahlen hat.  1457 wurden vom Grafen von Gleichen ein Viertel des Gerichtes und drei Hufen Land in Ermstedt an den Erfurter Bürger Klaus König, und 1499 ein Viertel des Gerichtes und 33 Hufen Land an den Erfurter Bürger Asmus Schade veräußert. Bis 1563 ging nach und nach der gesamte Hersfeldische Besitz an Erfurt über. Damit ging auch die Gerichtsbarkeit für Ermstedt an Erfurt über. Die Schultheißenämter von Ermstedt, Ohrdruf, Wechmar, Hundsbrunn, Kollerstädt und Hofenact wurden 1563 um 2000 fl. an die Grafen von Gleichen von Hersfeld verkauft.

Der Wald, den Ermstedt von Hersfeld zum Lehen hatte, der in Größe von 105 ½  Acker neben den Besitzungen des Klosters von Georgenthal liegt, blieb weiter Hersfeldisches Lehen. Die Gemeinde besaß ihn als Erbzinslehen. Als Erbzins wurden jährlich 10 Landschillinge, jeder zu 16 Löwenpfennigen bezahlt. Der Abt von Hersfeld belehnte mit dem Walde vier Lehensträger, die von der Gemeinde ausgewählt wurden. Wenn diese vier gestorben sind oder beim Tode des Lehensherren muss die Belehnung aufs neue nachgesucht werden. Von jedem Gemeindebürger wurde ein Landschilling, auch Schreibschilling, als Lehensanerkenntnis gezahlt. So werden im Gemeindearchiv noch acht Lehensbriefe aufbewahrt. Sie haben alle, bis auf unwesentliche Abweichungen den selben Wortlaut. Der Wortlaut des Ersten ist im Druck beigefügt. Den von 1595 unterzeichnete am Montag nach Peter und Paul der letzte Abt des Stiftes von Hersfeld Joachim in eigenhändiger Unterschrift und hängte sein Abteiinsiegeln an. Die Ermstedter Lehensträger waren Andreas Schrader, Hans Ernst, Nikolaus Ritter u. Larius Krey. Als dann 1606 Abt Joachim starb und die Abtei an ihren ersten weltlichen Verweser, Otto den ältesten Sohn des hessischen Landgrafen überging, mußte ein neuer Lehensbrief aufgestellt werden. Lehensträger sind wieder die Erstgenannten, außer Andreas Schrader. Für ihn tritt Marten Krangel ein. Die Unterschrift lautet: Otto, postulierter Administrator des Stiftes von Hersfeld. Der Lehensbrief von 1654 scheint durch das Aussterben der Lehensträger erfolgt zu sein. Inzwischen ist das Stift durch die Bestimmungen des Großen Westfälischen Friedens an die Landgrafschaft Hessen-Kassel übergegangen. Lehensherr ist jetzt Landgraf Wilhelm, der 1650 die Regierung angetreten hat. Sein Kanzler Vultehus beglaubigt und unterzeichnet im Namen seines Herren die Urkunde, die den fürstlichen Sekretsiegel trägt. Als Lehensträger erscheinen Hans Krüting, Heinrich Kneußen, Christoph und Kaspar Ritter. Die Urkunde vom 28.11.1693 ist im Namen des Landgrafen Karl ausgestellt und vom Vizekanzler Heinrich Haxthausen vidimiert (beglaubigt). Lehensträger sind Christoph Ritter sen, Augustinus Kreylen, Hans Müller und Hans Balthasar Kneußen. Der Regierungsantritt des Landgrafen Friedrich, der auch König von Schweden wurde, gab Anlass zu einer neuen Belehnung und Urkunde 1731. Sie ist von dem Kanzler Johann Justus Hartmann Scheffer unterzeichnet. Lehensträger waren Hans Möller, Andreas Nicolai, Hans Georg Götze und Karl Kneiße jr.. Durch den Regierungswechsel von 1751, in welchem Landgraf Wilhelm die Regierung antrat, mußte eine neue Belehnung stattfinden. Als Lehensträger traten die 1731 genannten wieder auf. Unterzeichnet ist die Urkunde vom Kanzler Otte Kalkhoff am 20.08.1752. die letzte Urkunde war nötig, weil alle vier Lehensträger (zuletzt Andreas Nicolai) gestorben waren. Es erschien deshalb in Kassel in Person, während sich die Gemeinde bei den bisherigen Belehnungen durch bevollmächtigte Rechtsgelehrte hatte vertreten lassen: Johann Franz Kneyse und Johann Georg Dünkel. Diese erhielten zugleich für die persönlich nicht anwesenden Johann Andreas Woeller und Jo. Nikolaus Möller die Belehnung mit dem Hersfeldischen Wald. Der hessische Vizekanzler Georg Lange hat mit Anhängung des fürstlichen Sekretsiegels den letzten Lehensbrief unterzeichnet. Im Jahre 1537 reichen die Ermstedter Lehensträger eine Beschwerde an den Erfurter Rat ein, der sie an den Hersfelder Lehensherren mit einem Begleitschreiben weitergibt. In der Beschwerdeschrift klagen die Ermstedter die Zinseinsammler an, daß diese widerrechtlich Neuerungen und erhöhte Forderungen einführen wollen.

 

Die Erfurtische Zeit

 

Der Erfurter Rat war gegen 1560 im Besitze des ganzen Dorfes Ermstedt. Von nun an soll unser Dorf auch äußerlich ein besseres Gewand bekommen haben. Mit den Ortschaften der Umgebung bildete es den Verwaltungsbezirk Nottleybin (1362 bis 1664, 13 Dörfer). Der Vorsteher der Voigtei war der Advocatius in Nottleybin, genannt der „Vogt uff den Bergern“. Dieser war zugleich Gemeindevorsteher von Ermstedt und Vertrat die Stelle des Oberheimbürgen. Manchmal wohnte der Vogt auch in anderen Dörfern. So wird 1550 der Vogt Hans Rolle zu Frienstedt erwähnt.

 

In Ermstedt soll auch ein Freigut bestanden haben. In den Bauerkriegen stand dessen Besitzer auf Seiten der Bauern. Ein Adelsgeschlecht von Ermstedt hat es aber nicht gegeben, obwohl der Besitzer des Freigutes, indem gegen die Bauern geführten Prozeß als Ritter bezeichnet wird. Zwar begegnen uns z. B. 1296 in einer Urkunde des Klosters Hausdorf (bei Apolda) ein Bruder Conradus von Ermelstedt und 1291 ein Laienbruder Thilo von Ermelstedt (Kloster Ichtershausen) sowie 1300 ein Teodericus von Ermelstedte als Vikar an der Erfurter Kaufmännerkirche und Pfarrer von Kerspleben. Aber sie sind keine Edelleute, sondern stammten eben aus Ermstedt (Die eigentlichen Dorfherren waren eben in jener Zeit die Äbte des Klosters Hersfeld und die Grafen von Gleichen).

Was die Ermstedter für Kerle waren, zeigt eine Begebenheit aus dem Jahre 1580. Ein Arnstädter Bürger hatte dem Ermstedter Bauern Simon Otto im Streit eine Hand abgehauen. Das der Verletzte eine gute Natur hatte, ging daraus hervor, daß er die abgehauene Hand am nächsten Morgen selbsteigen nach Erfurt trug und sie dort auf dem Servatiusfriedhofe (Ecke Pergamentergasse Turnier) begrub.

 

Neben Ackerbau und Viehzucht betrieben die Ermstedter auch Waidbau, 76 Acker nach dem Waidregister von 1579. Auch Hopfen wurde angebaut, denn jede Gemeinde hatte in jener Zeit ihre eigene Brau- u. Schankgerechtigkeit. Auch jede Familie über 10 Personen hatte das Braurecht. Das selbstgebraute Bier mag aber manchmal nicht gut geschmeckt haben, weshalb sich die Ermstedter bei der Verpachtung der Schänke das Recht vorbehielten, von Zeit zu Zeit Erfurter Bier zu beziehen. Auffallend gering ist die Zahl der Kannen oder Kandeln gewesen. Es lässt dies den Schluß zu, daß ein Trinkgefäß von mehreren Zechgästen gleichzeitig benutzt worden ist. Da das Dorf auch eine eigene Gerichtsbarkeit hatte (siehe Flurnamen das „Gericht“), wurde öfters die Lieferung von Bier an die Gemeinde oder deren Vertreter als Buße oder Strafe verhängt. Überhaupt scheinen unsere Vorväter nicht schlecht getrunken zu haben. Wie oft gab es Freibier, bei der Wahl der Heimbürgen, bei den Spritzenproben, nach jedem Brande usw. Zur Kirmes erhielten die Burschen eine Tonne Bier. Jeder durchziehenden Braut wurde ein Ehrentrunk gewährt.

Aus dem in Abschrift beigefügten Bäckerlehen aus dem gleichen Jahre kann man erkennen, was die Gemeine vor fast 400 Jahren von einem Gemeindebäcker verlangte.

Im Jahre 1617 tritt das Stift Hersfeld in der Geschichte unseres Ortes noch einmal auf. Ein Herr, Junker und Bürger von Erfurt, Rudolf Boddewitz erbt Hersfeldisches Gut in Ermstedt und wird mit diesem Lehen belehnt.

Nun folgt die Zeit der Reformation. Unser Dorf soll sehr früh protestantisch geworden sein. Schon 1523 soll ein verheirateter Augustiner Mönch Leonhard Schertinger, der mit Luther zusammen in Erfurt im Kloster war, die lutherische Lehre verbreitet haben und hier von 1523 bis 1570 Pfarrer gewesen sein. Nach amtlichen Nachrichten wurde schon im Sep. 1522 ein Luth. Pfarrer mit Namen Johann Rybitsch zum Pfarrer in Ermstedt präsentiert, trat die Stelle aber nicht an. Im Jahre 1613 wurde unser Gotteshaus gebaut. Es ist dem Heiligen Andreas geweiht.

Damals gehörten dem Ortsvorstande an: Adular Kreyer, Hans Kranich, Hans Köhler und Berlet Nickel. Bauherren waren Nikolaus Ritter und Berlet Fritsche. Beim Turmbau wurde der größte Teil des alten Turmes verwandt. Das Schiff der heutigen Kirche ist auch viel größer als das alte. Spuren des alten Schiffes kann man noch deutlich im Inneren der Kirche sehen. Die Opferfreudigkeit der Gemeinde beim Bau der Kirche war gewaltig. Durch Sammlungen innerhalb eines Jahres wurden allein ca. 1600 Taler aufgebracht. Im 30jährigen Kriege hatten die Bewohner Ermstedts sehr zu leiden. Der größte Teil des Dorfes wurde geplündert und zerstört. Damals sollen auch die Dörfer Hattstedt (zwischen Gamstedt und Nottleben) und Ebeleben (zwischen Gottstedt und Alach) vom Erdboden verschwunden sein. Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind nicht vorhanden.

Im Jahre 1664 kam Ermstedt an das Kurmainzische Amt Alach. Diesem kurfürstlichen Amt stand ein kurmainzischer Regierungsrat, der Amtmann, vor. Als sein Beamter handelte der Landvogt der Vogtei Alach.

Aus der nun folgenden Zeit ist uns so manche Aufzeichnung aus dem Leben in der Gemeinde in den alten im Gemeindearchiv vorhandenen Protokollbüchern erhalten. Die Dorfverwaltung bestand in jener Zeit aus folgenden „Beambten“: Oberheimbürge, Unterheimbürge, Kämmerer, Wegemeister, Feuerläufer, Rottmeister u. Flurschütze. Alle Jahre wurden die Gemeindehäuser wie Schänke, Backhaus neu verpachtet. Auch sonstige in der Gemeinde tätigen Personen, wie Gemeindehirte, Gänsehirtin, Glockenläuter, Bälgetreter, Nachtwächter wurden jedes Jahr neu „angenommen“ und in langen Niederschriften an ihre Pflichten erinnert. So ist der Hirten-Kontrakt aus dem Jahre 1697 hier in Abschrift beigefügt. Auch sind Bestimmungen zu finden, über das Erwerben des Nachbarrechtes. So gibt eine Bestimmung aus dem Jahre 1699 folgenden Personen unter folgender Voraussetzung das Nachbarrecht: Aus Erfurtischem Gebiet zugewanderte müssen 5 gs (Gulden) und einen Gemeindeeimer leisten. Fremde gaben 20 gs und einen Gemeindeeimer. Durch Verheiratung hergezogene Personen brauchen nur 20 gs  zu zahlen (die Gemeindeeimer waren für die Feuerkunst bestimmt).

Alle Jahre wurde das Högemahl abgehalten. Der Heimbürge gab da Anordnungen und Bestimmungen über das Befahren u. Begehen der Gemeindeflur und Strafen bei Übertretung dieser Bestimmung bekannt. Diese Bestimmung war nötig. Da die Gemeindeflur noch nicht separiert war und nur wenige Gemeindewege vorhanden waren. Auch fand von Zeit zu Zeit ein Strafmahl statt, an welchen alle Personen, die sich in irgendeiner Weise in der Gemeinde vergangen hatten (z. B. über die Grenze geackert, Grenzstein versetzt, dem Nachbar über das Stück gefahren) und mit einer Buße belegt worden waren, bekannt gegeben wurden. Das Strafgeld wurde dann meistens in Bier umgesetzt und vertrunken. Auch gab es in der Schänke alle Jahre einmal Hamster- u. Spatzenbier, wahrscheinlich als Belohnung für gemeinsame Bekämpfung dieser Schädlinge. Diese müssen in jener Zeit in erschreckendem Umfange aufgetreten sein.

Im Jahre 1713 wurde ein neues Backhaus gebaut. Am 10. Juni dess. Jahres wurde das Richtfest gefeiert.

Das Jahr 1733 war für Ermstedt ein Unglücksjahr. Es brannte in diesem Jahre

zwei Mal. Am 16. März brannten 22 Häuser, 24 Scheuen ohne die Ställe nieder. 53 Schafe, zwei Kühe, sieben Schweine und der anderen Güter ohne Zahl wurden vernichtet. Bei Andreas Nickel ist es aufgekommen. Am 19. Nov. brannten sechs Häuser und Scheunen nieder. Im Hause Götzen u. Ritter in der engen Gasse kam es aus. Auch die Jahre danach waren für Ermstedt und Umgebung Unglücksjahre. Mäuse- und Hamsterplagen, Gewitter und Hagelschlag vernichteten die Ernten, viel Schnee mit anschließend Tauwetter überschwemmte die Äcker und vernichtete das Winterkorn. In einem Frühjahr soll das Wasser ellenhoch auf den Äckern gestanden haben. 1741 soll es am 17. Juni so gehagelt haben, daß die Schloßen auf dem Felde aneinander festfrohren und drei Tage das Erdreich bedeckten. Die Ernte war vernichtet, daß man nicht eine handvoll Frucht zum Markte hatte. 1746 hat ein ähnliches Unwetter die hiesige Flur verheert. In den Sommerfeldern sollen die Stopfeln wieder ausgeschlagen haben und die Früchte sollen noch reif geworden sein, obgleich es unmöglich erschien.

Auch der Siebenjährige Krieg brachte für Ermstedt schwere Jahre. So hatte es für die französischen und kaiserlichen Truppen Vorspann zu leisten und Kriegskontribution zu entrichten. Besonders nach der Schlacht bei Roßbach verheerten die Franzosen unsere Gegend. Die Ermstedter setzen sich mit Dreschflegel und Sense zur Wehr und haben den Franzosen ein regelrechtes Gefecht geliefert, wobei sie einen Gefangenen machten, den sie längere Zeit im Turmgewölbe in Haft hielten.