Der Chroniktext - Teil 2 (Fortsetzung)  :

Die Franzosenzeit

1802 ging bekanntlich das Erfurter Gebiet an Preußen über. Die bisherige Einteilung in Ämter ließ man vorerst bestehen und so blieb Ermstedt beim Amte Alach. Schon nach vier Jahren nahm Napoleon das Erfurter Gebiet nach der Schlacht von Jena in Besitz und sicher haben viele Erfurter den Korsen gesehen, als er am 23.07.1807 von Erfurt nach Gotha fuhr.

Nun folgte die lange Kette der Kontributionen, zu denen Ermstedt anteilig beisteuern mußte. So am 28.10.1806 37 Zentner Heu, 18 ½ Bund Stroh, am 31.10. zwei Stück Rindvieh. Das war nur ein kleiner Anfang, aber bereits am 27.11. mußte das Gouvernement Erfurt 9000 Ztn. Weizen, 3000 Ztn. Roggen, 180000 Ztn. Hafer, 40000 Ztn. Heu und 40000 Ztn. Stroh abliefern. Auch Ermstedt musste seinen Anteil entrichten. Noch drückender waren die Kontributionen in Geld, die der Gouverneur von Erfurt, der franz. Brigadegeneral Bronard dem Erfurter Gebiet auferlegte. So musste Ermstedt

1806

dreimal je

129 Taler

439 Taler

1807

 

259 Taler

344 Taler

1808

 

691 Taler

 

1809

 

172 Taler

354 Taler

1810

 

172 Taler

182 Taler

1811

 

370 Taler

 

und so fort bezahlen, so daß die Gemeinde mit sonstigen Lasten schon 1809 eine Schuldenlast von 5875 Talern hat und jährlich 277 Taler für Interessen ausgeben muß.

1806 muss Erfurt 6 Pferde zur Berittenmachung der franz. Gouvernementsgarde liefern. Darum fand am 30.10.1806 in Ilversgehofen eine Pferdemusterung statt. Ermstedt hat so während der franz. Invasion 7 Pferde abgeben müssen. Die Bauern mußten auch ihre Pferde zum Vorspannen stellen. Viele Bauern verkauften damals ihre Zugtiere, um vom Vorspannen ledig zu sein. Eine Regierungsverfügung ging dem entgegen und drohte mit großen Strafen. Ermstedt hat z.B. im Nov 1806 156 x vorspannen müssen. Am 19.10.1807 muß unser Dorf zur Verpflegung und Ausstattung der franz. Garnison in Erfurt 70 Taler anteilig bezahlen. Was Ermstedt in jenen Tagen an Einquartierungen bekommen hat, ist nicht genau aufgeschrieben. Wenn aber das nahe Alach allein von 1811 bis 1813 26 815 Franzosen zu verpflegen hatte und Nottleben 13725, so durfte es mit Ermstedt nicht anders gewesen sein. Aus den Gemeinderechnungen in dieser Zeit geht hervor, welche Unsummen allein diese Franz. Soldaten in der Gemeindeschänke zu Lasten der Gemeinde verzehrten und vertranken. So weist die Gem. Rechnung vom Jahre 1813 438 Taler Zech- und Futterkosten in der Schenke nach. 1813 muß das ausgesogene Land (Erfurter Gebiet) noch 10000 Zentner Mehl aufbringen, davon Ermstedt 114 Ztn. 71<Pfd>. Die Gesamt-Kontribution wird in einer Aufstellung von 1813 wie folgt festgestellt:

7 Pferde, 14 Kühe, 22 Schweine, 7067 Reichstaler, 5 Malter Winterfrucht, 24 Malter Sommerfrucht, 239 Schock Heu, 116 Bund Stroh. Gesamtwert: 10963 Taler für Ermstedt.

Ein Zeitgenosse aus Ermstedt berichtet aus jener Zeit: „Es ist unübersehbar, wie viel Brotgetreide in diesen unglücklichen Jahren zu militärischem Gebrauche aus dem Lande gezogen wurde. So erklärt es sich, daß wegen des geringen Angebots die Preise gewaltig in die Höhe gingen. Ebenso war es mit den Viehpreisen“. Die Franzosen hausten wir Räuber und Mordbuben. Die Leute waren stets in großer Angst und Gefahr. In Zimmern wurde damals der Pastor Berlstädt ermordet. Auch der Pfarrer von Bindersleben hat in großer Lebensgefahr geschwebt.

Am 25.09.1808 galt es, den Kaiser Napoleon fürstlich zu empfangen. Das geschah auf der Herrschaftschaussee, welche Napoleon hatte bauen lassen. Der Pastor, der Lehrer mit den Schulkindern, der Oberheimbürger und alle anderen Amtspersonen des Dorfes nebst der Musik hatten sich bei Gamstädt aufgestellt. Bis in die Nacht hinein mußten sie warten, ehe der Kaiser kam. Zur Erleuchtung der Straße mußten zu beiden Seiten der Straße auf den Äckern alle 40 Schritt helle Stroh und Reisigfeuer angebrannt werden. Über je zwei Feuer hatte ein Aufseher zu wachen. Um das Militär mit Tabak zu versorgen, mußte auch Ermstedt Tabak anbauen. 1 <Pfd> Tabaksamen kostete 10 Taler. In der Nacht zum 12.12.1812 wurde unser Landvogt Altenburg in Alach aus dem Bett  gezogen und ins Gefängnis gesteckt, weil er auf Napoleon geschimpft haben soll. Als Napoleon nach der Schlacht bei Leipzig mit seinem Heer zurückflutete, wurde Erfurt vom 14.10.1813 bis 06.01.1814 blockiert. Diese Tage wurden für die um Erfurt liegenden Dörfer besonders durch die Plünderungen der Russen zu einer Schreckenszeit. Wieder wurden Kontributionen erhoben. In den Tagen nach Leipzig soll auch die Kaiserin von Russland durch unseren Ort gefahren sein. Die Gemeinde hat von 1806 bis 1814 über 8000 Reichstaler für Kriegszwecke borgen müssen. An den Befreiungskriegen nahmen aus unserem Ort teil und fielen: Unteroffizier Joh. Jos. Bückel, gefallen bei Marienburg am 24.06.1815, Johann Heinrich Rubock, gestorben im Lazarett von Gotha am 04.01.1814

Die Jahre 1813 bis 1814 waren nicht nur Kriegsjahre, sondern auch Krankheitsjahre. Es trat eine Typhusepidemie auf und forderte von Ermstedt 28 Todesopfer. Einwohnerzahl Ermstedt 1814: 102 männliche, 123 weibliche Personen (ohne Gesinde)

 

Die Preußenzeit

 

In der nun folgenden ruhigeren Zeit nahmen Handel, Gewerbe und Landwirtschaft einen Aufschwung. In unserem Ort gab es damals aber immer noch viele Arme. Die Nachlassbestandsaufnahmen in den alten Protokollbüchern gaben davon Zeugnis. Die Tagelöhne waren sehr niedrig, deshalb lebten die Leute auch sehr einfach. Kartoffeln und Öl war die tägliche Speise. Fleisch gab es nur selten, höchstens am Sonntag und dann nur soviel, daß von einem ½ <Pfd> die ganze Familie aß. 1818 wurde die alte Dorfverwaltung aufgehoben. Anstelle des Standheimbürgen trat der Schuldheiß (Schulze) und zwei Schöppen anstelle der bisherigen 6 Vormundschaftsmänner. Der erste Schultheiß in Ermstedt hieß Johann Ernst Rittersdorf, gestorben 1823. Im Jahre 1880 wurde das Gemeindebrauhaus, das neben der Schenke stand, abgerissen und hinter die Schenke gesetzt (jetzt Stallung). Zugleich wurde das Braurecht in der Gemeinde mit der Schankgerechtigkeit des Wirtes verbunden. Bei der Verpachtung der Schenke hatte der Wirt nun folgende Abgaben zu zahlen:

170 Reichstaler jährl Pachtsumme

4 Eymer Bier z. Leihkauf

17 ½ Eymer Bier Gemeindebier

(davon bek. der Adjuvantenchor: 3 Eymer = 30 Kannen)

für einen Groschen Semmeln jedem Nachbar

Alljährlich 2 Fässer u. 2 Eymer neu anschaffen.

Freunde frei herbergen, für Einquartierungen 1 Stube bereithalten. Bei Feuerstättenrevision ½ Eymer Bier spendieren.

das Samenvieh (2 Ochsen, 1 zweijährigen u. 1 3jhr) halten.

1820 baute die Gemeinde anstelle des baufälligen das jetzt noch stehende Spritzenhaus. 1821 beginnt für Ermstedt eine Zeit, in der es oft von Feuersbrünsten heimgesucht wird. In diesem Jahre war in Ermstedt und Gottstedt das neue Gesangbuch eingeführt worden. Am 1. Adventssonntage wurde das 1. mal daraus gesungen. Nach diesem feierlichen Tage folgte der 3. Dezember, ein Unglückstag der Gemeinde. In der Scheune des Landwirts Dinkel brach ½ 8 Uhr abends Feuer aus, welches zehn Häuser, nebst Scheunen u. Ställen verzehrte. Bei diesem Feuer wütete ein heftiger Sturm, wodurch Kirche, Pfarrwohnung (die noch mit Stroh bedeckt war) sowie das Schulhaus in größter Gefahr waren. In der höchsten Not änderte sich der Wind und führte die Glut nach dem Felde zu. Ein Zeitgenosse schreibt darüber: „Ich und die Meinigen sind innerhalb 10 Jahren dreimal mit unserer Habe aus meiner Hütte verjagt worden: Anno 1813 durch die französischen Nachzügler, deren raubsüchtige Landsleute ich 7 Jahr mit großem Verlust meines Vermögens gefüttert hatte, das erste Mal und zweimal durch Brand“. 1825 geschahen drei Brandunglücke. Am 17.03. brannte es in der Scheune des Gerichtsschöppen Nehrlich. Am 18.04. brach in der Scheune der Anna Maria Ritter Feuer aus, das bei heftigem Sturmwind das ganze Dorf zu vernichten drohte. Durch Gottes Beistand brannten aber nur 5 Häuser mit Zubehör ab und 2 Gehöfte wurden beschädigt. Die Ursache der Brände ist nicht ermittelt worden. Am 13.12. brach der 3. Brand aus. Die Scheunen des Gerichtsschöppen Möller waren der Ort, wo es anfing.äuser Auch die Scheunen des Nachbars, Christian Braun, brannten nieder. Am 04. Juni 1826 wurde ein Dieb namens Joh. Michael Lessel in der Scheune des Georg Hopf erwischt. Die Ermstedter vermuteten in ihn den Mordbrenner, schlugen ihn halbtot und schafften ihn nach Erfurt. Dieses Verfahren der Bauern gegen den Dieb wurde vor Gericht sehr gemißbilligt. Es war nur ein Glück, daß Lessel nicht durch die Mißhandlungen gestorben war. Dieser wurde später auf der Lichtenburg zeitlebens eingesetzt.

Durch die vielen Brände sah sich die Gemeinde veranlaßt, im Jahre 1826 eine neue Feuerspritze anzuschaffen. Diese kostete mit Zubehör: 449 Taler 22 Silbergroschen 11 Pfennige. Nun wurden in jedem Jahre Feuerläufer für die alte und neue Feuerkunst bestimmt. Da auch einmal das Gemeindearchiv in Gefahr war,  wurden von 1822 an auch Retter der Gemeinde Urkunden eingesetzt. 1834 gab die Gemeinde eine Anspannordnung bei Bränden heraus. Es gab damals 20 Anspänner im Dorfe. 1823 wurde Johann Christoph Prauße aus Wandersleben stammend, als Schulze eingesetzt, der viel fürs Wohl der Gemeinde getan hat. Die Jahre 1820 bis 1825 waren für die Landwirtschaft schlechte Jahre. Geringe Ernten trieben die Preise in die Höhe. Der Erfurter Malter Weizen kostete 8 bis 9, Gerste 6 bis 7, Hafer 4 bis 5 Taler. In jenen Jahren begann man in der Gemeinde mit Flachsanbau und dem Anbau weißer Rüben. Der Ertrag soll lohnend gewesen sein. 1831 brannte dem Heinrich Klee seine neue Scheune nieder.  In dem selben Jahre entdeckte man im Osten des Dorfes einen Steinbruch. Nun wurden die Kalksteine zur Verbesserung der Chausseen verwand. Die Steine erwiesen sich aber als nicht widerstandsfähig genug. So hat man den Abbau später wieder fallen gelassen. 1834 brannte dem Heinrich Klee seine neue Scheune abermals ab.

 

1835 bis 1855 waren ruhige Jahre in unserer Gemeinde. Die Schafzucht stand in jener Zeit in unserer Gemeinde in hoher Blüte. Auch der Hammelverkauf brachte viel Geld ein. Damals wurde auch viel Gänsezucht getrieben. Die Gemeinde stellte dazu eine Gänsehirtin an. Interessant ist ein Kontrakt mit der Gänsehirtin, Baumbachin aus dem Jahre 1835. Als Lohn bekam diese für jede Gans und Jahr 4 gute Pfennige (5 Silberpfennige), alle 14 Tage Morgenbrot, von jeder Gans 2 <Pfd> Brot im Jahre. Lehrer- und Pfarrergänse mußten umsonst gehütet werden. Die Baumbachin unterzeichnete den Kontrakt mit x x x. In jener Zeit bekommen Pfarrer und Lehrer noch Holz aus der Gemeindewaldung: 2 Klafter Schnittholz, 2 Klafter Wurzelstocken u. 1 ½ Schock Baumpfähle.

Das Schulexamen fand in jedem Jahr noch statt. Für die Kosten wurde ein Legat bestimmt. Die Kinder bekamen Semmeln u. Brezeln u. Schreibmaterial. Die Prüfenden versammelten sich anschließend in der Schenke zum Bier. In der GemeindeRechnung von 1849 ist noch ein Betrag von 5 Talern 13 Groschen für Schulexamen enthalten. 1844 sind August Ferdinand Wöller, Johann Lorenz, Daniel Braun, Joh. Ludwig Ginßler, Wilhelm Vielbey zu Lehensträgern bestellt worden. 1876 fielen so wenig Niederschläge, daß die Bauern noch nicht einmal ihr Saatgut wieder ernteten, so daß das Jahr 1847 bis zur neuen Ernte ein wahres Hungerjahr war. Der Scheffel Roggen kostete 5 bis 5 ½ Taler. 1849 zieht Lehrer Heinemann als neuer Lehrer in Ermstedt ein. Da in Ermstedt eine Malgelegenheit fehlte, Neudietendorf aber zu weit lag, wurde 1854 dem Müller Andreas Lütz erlaubt, eine Windmühle links am Zimmerschen Wege zu bauen. Später ist diese abgebrannt, nur die Wirtschaftsgebäude blieben stehen (1938 Thieles Scheune). Bei der Schenksverpachtung im gleichen Jahre verpflichtete sich der neue Wirt zur Zahlung von 105 Gulden Pacht, Lieferung von 15 Eimern Gemeindebier und jedem Nachbarn ein Hering im Jahr. In jenen Jahren wurde die Verbindung zwischen Gemeinde und Kreisverwaltung dadurch hergestellt, daß eine Person gegen Entgelt mit dem Tragen der Gemeindemappe zum Landratsamt beauftragt wurde, in der die Amtel.Schreiben befördert wurden. Im Jahre 1855 entbrannte um die Schule und den Lehrer ein Kampf in der Gemeinde. Der damalige Pfarrer Seemann sollte Schuld sein, daß kein Lehrer in Ermstedt seßhaft wurde. Aus der Gemeinde erhielt der Pfarrer deshalb anonyme Briefe, in denen man ihn zu erschießen drohte, wenn er die Lehrer weiter schikanierte. Auch der damalige Schulze war ein bitterer Gegner des Pfarrers. Der Pfarrer soll inbezug auf sein sittliches Leben kein Vorbild gewesen sein.

1864 bis 1865 wurde in Ermstedt die Separation durchgeführt. 1865 starb Schulze Prauße, der 32 Jahre die Geschicke der Gemeinde gelenkt hatte. Sein Grabstein steht noch auf dem Friedhof (rechts v. Eingang) und eine kräftige Eiche schmückt sein Grab. Sein Nachfolger wurde Ludwig Gießler. 1869 baute die Gemeinde ein neues Backhaus und in den nächsten Jahren wird die Nesse reguliert, neun Brücken werden über sie gebaut. Diese Arbeiten verursachen der Gemeinde viele Kosten, sodaß in der Gem.Rechnung von 1874 noch 8475 Mk. Schulden aufgeführt werden. 1869 bekommt Ernst John die Erlaubnis, in Ermstedt eine Restauration zu errichten (später vom Schankwirt aufgekauft).

Nun folgte die ruhmreiche Zeit von 1864 bis 1871, die uns das 2. Deutsche Reich brachte. ( Aufzeichnung aller Teilnehmer am Böhmischen Feldzug von 1866).

Zum Andenken an die in diesen Feldzügen gebliebenen wurden in der Kirche Gedenktafeln angebracht. Nach den siegreichen Kämpfen wurde auch in Ermstedt das Friedensfest gefeiert. Da wurde vor dem Turm der Kirche eine Friedenslinde (Kaiserlinde genannt) gepflanzt. 1872 zersprang eine der zwei vorhandenen Glocken auf unaufgeklärte Weise. Der Umguß der zwei Glocken kostete 400 Taler. 1873 verunglückte durch Überfahren der Gemeindeälteste Ludwig Dünkel. 1876 wurde das Gemeindebrauhaus an Karl Friedrich Beyer in Schmira zum Abbruch verkauft. Der Abbruch und die Bezahlung fanden aber nicht statt. Die Gemeinde klagte darob ohne Erfolg. Im Jahr darauf beschlossen die Gemeinderäte, das Brauhaus in eine Scheune umzuwandeln u. hinter die Schenke zu setzen. 1877 erfahren wir aus dem Gemeindeprotokollen, daß ein Gemeindevertreter Ferdinand Ritter exmittiert worden ist, weil er, wie es Sitte war, dreimal ohne Entschuldigung gefehlt hat, außerdem gepfändet worden und in Konkurs geraten war. Im Jahre 1878 wird es hell in Ermstedt. Die ersten Straßenlaternen werden aufgestellt. 1880 wird die Zimmersche Chaussee 1642 Meter neu gebaut. Der Staat gab dazu eine Beihülfe von 2,50 M. für den laufenden m. 1882 entschließt sich die Gemeinde, ein neues Schulhaus zu bauen, da der alte Lehrsaal in der Lehrerwohnung die große Schülerzahl nicht mehr faßte. Die Gemeinde nahm dazu ein Darlehen von 5400 M. bei der Proventialhilfskasse auf, das sich zu 10 ½ Prozent einschl. 4 ½ Prozent Amortisation verzinste und in 13 Jahren getilgt war. Der Bau wurde von einheimischen Handwerkern ausgeführt. Schon 1894 beschließt die Gemeinde, den Schulsaal umzubauen, weil er auf einem unzweckmäßigen Platz steht, auch war der Schwamm im Hause. Dieser Beschluß wurde aber nicht ausgeführt, sondern nur eine Reparatur ausgeführt. 1884-85 Bau der Straße nach Gottstedt und Nottleben mit Unterstützung des Staates. 1886 stirbt Schulze Gießler und der Landwirt Hahn wird gewählt. 1887 erläßt der Herzog von Sachsen Coburg Gotha den Abfahrern des Holzes aus dem Ermstedter Walde das Chausseegeld. 1889 begeht der Ermstedter Obstbauverein sein 50 j. Jubiläum. Aus diesem Anlass stiftete er der Gemeinde 100 Apfelbäumchen, welche auf einer auf der Westseite des Dorfes gel. Wiese am 28.04.89 in feierlicher Weise gepflanzt wurden. Den ersten Baum pflanzte der Vorsitzende des Kreisobstbauvereins, den 2. der Vorstand des Ermstedter Obstbauvereins, den 3. der Ortsschulze, den 4. der Pastor, den 5. der Lehrer, den 6. der jüngstverheiratete Mann, den 7. ein Bursche, den 8. ein Schüler. Darum Name der Wiese: „Jubiläumsgarten“ (Bäume sind eingegangen, heute 1938 neue Zwetschgenbäume angepflanzt). Im gleichen Jahre wird in Neudietendorf eine Molkerei gegründet. 30 Teilnehmer aus Ermstedt melden sich. In Ermstedt wird ein Viehkassenverein und ein Gesangverein gegründet, desgl. die Darlehenskasse, die ein großer Segen für die Gemeinde wurde.

Eine größere Kirchenreparatur war nötig geworden. Die Gemeinde mußte ein Darlehen von 3000 M. aufnehmen. 1890 mußte ein neuer Schulze gewählt werden. Es standen Berthold Wöller und Wilhelm Krämer zur Wahl, von denen jeder 4 Stimmen erhielt, sodaß das Los entscheiden musste. Wilhelm Krämer († 1938) wurde Schulze. 1891. Um die vielen aufgelaufenen Schulden der Gemeinde zu decken, verkauft die Gemeinde die Schenke an Gebr. Schmiedel Erfurt für 13000 Mk., bei 5000 M. Anzahlung. Desgl. einen Streifen Wald bei Georgenthal zum Bahnbau. Auch das Gemeindehaus im „Schlag“ wird an Familie Meister für 650 M. verkauft. Im gl. Jahr fand in unserer Flur und Umgebung ein Kaisermanöver statt und viele Ermstedter werden den jungen Kaiser Wilhelm II. im Fürstenhof geschaut haben, wo er die Parade abgenommen hat. 1893 Notjahr! viele Hitze! geringe Ernten. 1894 tritt der Mühlenbesitzer Albin Schlöffel an die Gemeinde heran und möchte einen Streifen Wald im Georgenthaler Grund kaufen oder gegen ein anderes Grundstück tauschen. Die Gemeinde hält aber an ihrem alten Besitz fest. 1895 beginnen die Verhandlungen betreffend Bau einer Kleinbahn mit dem Eisenbahnministerium. Es wird von den Gemeinden unentgeltliche und lastenfreie Abtretung von Grund und Boden verlangt. Der Plan wird fallen gelassen. Im Jahre 1900 verkauft die Gemeinde an Dr. Wicht Bauland, südlich des Friedhofes. Dieser baut das Haus Nr. 1a. 1902 wird die Gottstedter Straße verbreitert und neu gebaut. Am 24.08. feiert auch die Gemeinde die 100 j. Zugehörigkeit zu Preußen, ein Festzug durchs Dorf und ein anschließendes Kinderfest im Schenksgarten. 1900 bis 1901 werden Platten ins Dorf gelegt und dadurch schöne Bürgersteige geschaffen. Die Gemeinde überläßt eine Quelle im Georgenthaler Wald der Stadt Georgenthal zwecks Bau einer Wasserleitung. Ermstedt wird als Gegenleistung von Kommunalabgaben befreit. Am 07.06.1903 feierte der Krieger- und Landwehrverein seine Fahnenweihe, das Fest wurde aber durch Regenwetter verdorben. 1904 wird in den Gemeindebüchern der Kostschilling erwähnt (5 M), den der Gemeindeschreiber für Listenaufstellungen bekommt. Wegen Ablösung der Schulden nimmt die Gemeinde ein Kapital von 22000 Mk. bei der Kreissparkasse mit 3 ¾ % Zinsen und Amortisation auf. 1907 findet wieder eine Besprechung der Gemeinden des Bergkreises wegen Eisenbahnbau, aber ohne Erfolg statt. 1908-1910 wird es in Ermstedt hell. Im Sommer 1910 wurde die elektrische Leitung fertig. 1908 legte Schulze Krämer sein Amt nieder und Emil Wöller wird gewählt. 1909 wurde der aufgefüllte Steinbruch mit Obstbäumen bepflanzt. 1910 am 18.-19.05. wird der Halley‘sche Komet auch in Ermstedt gesichtet. Am 28.07. erscheint das erste lenkbare Luftschiff M 3 (groß) über Ermstedt. 1912 verkauft die Gemeinde eine Quelle im Gemeindewald an die Gemeinde Herrenhof für 2000 M. Die Gemeinde beginnt mit dem Erlös den Bau einer eigenen Wasserleitung. Die Gesamtbaukosten betrugen 12000 M. Die Gemeinde nimmt zu den Kosten 8000 M. Anleihe bei der Landesversicherungsanstalt Sachsen-Anhalt auf (4 % Zinsen 2 % Tilgung). 1913 kauft die Gemeinde das Bauernhaus Nummer 98 für 4000 M. Seitdem wird es als Wohnung für die Gendarmerietation benutzt. 1914 erhält die Schule einen Sportplatz. 1914-18 tobt der Weltkrieg. Erlebnisse der Gemeinde sind in einer besonderen Kriegschronik von mir zusammengestellt. Obwohl die Gemeinde während des Weltkrieges nicht auf Rosen gebettet war, gelang es ihr, durch Kriegsanleihezeichnungen dem Vaterlande seine Opfer zu bringen, u.a.1916 5000 M., 1917 6000 M., 1918 5500 M.

Aber alle Opfer an Gut und Blut waren umsonst gewesen.

An dieser Stelle habe ich bewußt mit der Übertragung der Chronik aufgehört, da neben Nebensächlichkeiten überwiegend dem Zeitgeist entsprechend der Dolchstoßlegende das Wort geführt wird und der mir zur Verfügung stehende Chroniktext dann auch abrupt 1931 endet ….